Kalorienverbrauch beim Radfahren berechnen

Was hat die Ausfahrt gekostet? Grob gerechnet: eine Stunde mit 22 km/h verbrennt bei 85 kg Körpergewicht rund 850 kcal. Hier rechnest du es genauer, entweder aus Geschwindigkeit und Gewicht über MET-Werte oder, wenn du mit Leistungsmesser fährst, aus der Durchschnittsleistung, und das ist der genaue Weg.

Der Wert aus der Leistung ist auf wenige Prozent genau, weil ein Leistungsmesser echte Arbeit misst. Der Wert aus dem Tempo ist eine Schätzung: er weiß nichts von Wind, Höhenmetern und Windschatten, und die können das Ergebnis halbieren oder verdoppeln. Die Vergleiche mit Lebensmitteln sind Näherungen.

Kalorientabelle: kcal pro Stunde nach Tempo und Gewicht

Diese Tabelle ist die feste Referenz zu diesem Rechner. Die MET-Werte stammen aus dem Compendium of Physical Activities, die Wattzeile darunter ist die genauere Rechnung für alle, die einen Leistungsmesser haben:

Kalorienverbrauch pro Stunde, MET-Methode

Tempo            Intensität       MET    75 kg      90 kg
bis 16 km/h      sehr gemütlich   6,8    510 kcal   612 kcal
16-19 km/h       gemütlich        8,0    600 kcal   720 kcal
19-22 km/h       zügig           10,0    750 kcal   900 kcal
22-25 km/h       flott           12,0    900 kcal  1080 kcal
25-30 km/h       schnell         14,0   1050 kcal  1260 kcal
über 30 km/h     Renntempo       15,8   1185 kcal  1422 kcal

Watt-Methode (genauer, unabhängig vom Gewicht)
100 W eine Stunde  =  360 kcal
150 W eine Stunde  =  540 kcal
200 W eine Stunde  =  720 kcal
250 W eine Stunde  =  900 kcal

E-Bike: die Tabelle gilt für die Leistung, die DU trittst. Mit
Unterstützung liegt der eigene Anteil je nach Stufe bei einem
Drittel bis zwei Drittel der Werte oben.

Wie wird der Kalorienverbrauch berechnet?

Die Watt-Methode beruht auf Physik und Physiologie statt auf Schätzungen:

Arbeit [kJ]  = Leistung [W] x Zeit [h] x 3,6
kcal         = Arbeit [kJ] / 4,184 / Wirkungsgrad (rund 24 %)
in der Praxis: kcal entspricht Leistung x Zeit x 3,6   (kJ ~ kcal)

MET-Methode: kcal = MET x Körpergewicht [kg] x Zeit [h]

Quellen: MET-Werte nach dem Compendium of Physical Activities
(Ainsworth et al.); Wirkungsgrad der Muskelarbeit 22 bis 26 Prozent,
hier 24 Prozent; 1 kcal = 4,184 kJ.

Beispiel: 1,5 Stunden mit durchschnittlich 180 W
  Arbeit = 180 x 1,5 x 3,6 = 972 kJ  ->  rund 970 kcal
  dieselbe Fahrt über MET (85 kg, 22 km/h, MET 10) = 1275 kcal
  Differenz rund 30 Prozent

Warum ist der eine Weg vertrauenswürdiger als der andere? Ein Leistungsmesser misst die Arbeit, die deine Beine tatsächlich verrichtet haben. Die einzige verbleibende Näherung ist der Wirkungsgrad der Muskelarbeit, und der liegt bei fast allen zwischen 22 und 26 Prozent; wir rechnen mit 24. Daraus folgt die bekannte Abkürzung: die Kilojoule Arbeit am Pedal und die verbrannten Kilokalorien sind zahlenmäßig fast gleich. MET-Tabellen ordnen dagegen einer Geschwindigkeit eine Intensität zu, und Geschwindigkeit sagt wenig über Anstrengung. Wind, Steigungen und das Fahren im Windschatten verändern den Energiebedarf bei gleichem Tempo um Dutzende Prozent.

Die 30 Prozent Abweichung im Beispiel oben sind genau der Grund, warum der Leistungsmesser beim Kalorienzählen wie beim Training der Goldstandard ist. Wer keinen hat, sollte die MET-Zahl als Größenordnung nehmen und Wochen miteinander vergleichen statt einzelne Ausfahrten.

Regelmäßigkeit schlägt Intensität: vier Ausfahrten von 45 Minuten pro Woche bauen ein Defizit auf, das eine lange Sonntagstour nie erreicht, und Radfahren ist gelenkschonend genug, um das bei jedem Startgewicht durchzuhalten. Auch das Pendeln zur Arbeit zählt voll mit, gerade in einer Stadt mit ordentlichem Radwegenetz, weil es keine zusätzliche Zeit kostet. Wenn das Training strukturiert statt zufällig werden soll, lege zuerst deine Zonen im FTP-Rechner fest, und der Wattrechner zeigt dir, was diese Watt an Tempo bringen. Alles Weitere steht in der Übersicht.

Häufige Fragen

Wie viele Kalorien verbrennt eine Stunde Radfahren?
Das hängt vom Tempo und vom Körpergewicht ab. Bei 85 kg: eine gemütliche Stunde mit 16 km/h rund 580 kcal, eine zügige Stunde mit 19 bis 22 km/h etwa 850 kcal, und Renntempo über 30 km/h mehr als 1300 kcal. Ein leichterer Fahrer verbrennt proportional weniger. Diese Zahlen stammen aus MET-Tabellen; mit einem Leistungsmesser wird die Antwort deutlich genauer.
Wie rechnet man kJ in kcal um beim Radfahren?
Praktisch eins zu eins. Deine Muskeln setzen nur rund 24 Prozent der Nahrungsenergie in Arbeit am Pedal um, und 1 kcal entspricht 4,184 kJ. Diese beiden Zahlen heben sich fast auf, also entsprechen 1000 kJ Arbeit auf dem Radcomputer etwa 1000 verbrannten kcal. Deshalb ist der Kilojoule-Wert einer Fahrt mit Leistungsmesser die verlässlichste Kalorienangabe, die du bekommst.
Warum ist die Wattmessung genauer als das Tempo?
Ein Leistungsmesser misst die Arbeit deiner Beine, unabhängig von Wind, Steigung oder Windschatten. Dieselben 25 km/h können 120 W in einer Gruppe mit Rückenwind oder 250 W allein im Gegenwind bedeuten: doppelt so viele Kalorien bei identischem Tempo, und eine Tabelle nach Geschwindigkeit kann diesen Unterschied nicht sehen.
Wie viele Kalorien verbrennt man auf dem E-Bike?
Weniger als ohne Motor, aber deutlich mehr als null. Untersuchungen zum Pendeln mit Pedelec finden meist einen Eigenanteil von der Hälfte bis zwei Dritteln des Aufwands ohne Unterstützung, abhängig von der Unterstützungsstufe und davon, ob man am Berg mittritt. Rechne hier mit der Leistung, die du selbst trittst, nicht mit der Systemleistung, sonst zählst du den Motor zu deinen Kalorien.
Hilft Radfahren beim Abnehmen?
Ja, und der Autor dieser Seite hat auf dem Rad 30 kg abgenommen. Der Hebel ist die Regelmäßigkeit und nicht die einzelne harte Einheit: drei bis vier Ausfahrten pro Woche mit 600 bis 800 kcal ergeben ein Wochendefizit, das eine lange Tour nicht erreicht. Radfahren belastet die Gelenke wenig, was es bei höherem Startgewicht durchhaltbar macht.
Überschätzen Radcomputer und Apps den Kalorienverbrauch?
Apps, die aus Tempo oder Herzfrequenz schätzen, liegen häufig 20 bis 30 Prozent daneben, in beide Richtungen, weil sie die Leistung nur indirekt ableiten. Radcomputer mit angeschlossenem Leistungsmesser sind auf wenige Prozent genau. Wenn dir die Kalorien wichtig sind, nimm App-Zahlen als Richtwert und vergleiche Wochen statt einzelner Fahrten.