Reifendruck-Rechner fürs Fahrrad
Der richtige Luftdruck ergibt sich vor allem aus zwei Größen: dem Systemgewicht und der Reifenbreite. Ein Fahrer mit 80 kg auf 28 mm Rennradreifen liegt bei etwa 6,7 bar hinten, derselbe Fahrer auf 40 mm Gravelreifen bei rund 3,8 bar. Ein Trekkingrad oder E-Bike wiegt mit Akku, Motor und Gepäck schnell 25 kg, und dieses Gewicht drückt eins zu eins auf die Reifen. Gib deine Zahlen ein und erhalte den Druck für Vorder- und Hinterrad getrennt, in bar und psi.
Das ist ein Startwert, abgestimmt auf dein Gewicht und deine Reifenbreite. Überschreite niemals den Druckbereich auf der Reifenflanke oder die Grenze der Felge. Den letzten Feinschliff machst du auf einer Strecke, die du gut kennst.
Warum nach Gewicht rechnen und nicht die Reifenflanke ablesen?
Der Bereich, der auf der Reifenflanke steht, ist eine Sicherheitsangabe des Herstellers und keine Empfehlung für dich. Derselbe 28-mm-Reifen trägt einen Fahrer mit 60 kg und einen mit 110 kg, und zwischen diesen beiden liegen mehr als 2 bar. Ein Reifen arbeitet dann richtig, wenn er unter Last etwa 15 Prozent seiner Höhe einsinkt: zu hart springt er über Unebenheiten und verliert Grip, zu weich walkt er, lädt zu Durchschlägen ein und beschädigt die Felge. Deshalb beginnt die Rechnung bei der Last, die tatsächlich auf jedem Laufrad steht.
Hinten immer mehr Druck als vorne. Rund 60 Prozent des Systemgewichts stehen auf dem Hinterrad und nur 40 Prozent auf dem Vorderrad. Gleicher Druck vorne und hinten heißt also: vorne überpumpt, und genau das lässt die Hände taub werden und das Vorderrad in Kurven wegrutschen. Etwas weicher vorne ist auf fast jedem Untergrund schneller und sicherer.
Beim Trekkingrad und beim E-Bike verschiebt sich die Rechnung noch weiter nach oben, aber nicht so, wie viele vermuten. Motor, Akku, Gepäckträger und zwei Packtaschen bringen 20 bis 30 kg zusätzlich, und dieses Gewicht braucht Druck. Gleichzeitig laufen an diesen Rädern meist 42 bis 55 mm breite Reifen, und Breite senkt den nötigen Druck stärker, als Gewicht ihn hebt. Ein 95 kg schweres Gesamtsystem auf 47 mm landet deshalb bei rund 3 bar und nicht bei den 4,5 bar, die auf der Flanke als Maximum stehen.
Reifendruck-Tabelle: bar nach Gewicht und Reifenbreite
Diese Tabelle ist die feste Referenz zu diesem Rechner. Sie gilt für Schlauchreifen auf trockenem Asphalt, bei einem angenommenen Radgewicht von 9 kg, und nennt hinten/vorne in bar. Wer die Werte nur nachlesen und nicht selbst rechnen will, findet sie hier vollständig:
Reifendruck in bar (hinten / vorne), Schlauch, trockener Asphalt Systemgewicht = Fahrergewicht + 9 kg Rad Fahrer 28 mm 32 mm 40 mm 50 mm 60 kg 5,4 / 5,1 4,4 / 4,1 3,1 / 2,9 2,1 / 2,0 70 kg 6,1 / 5,8 4,9 / 4,7 3,4 / 3,3 2,4 / 2,3 80 kg 6,7 / 6,4 5,4 / 5,2 3,8 / 3,6 2,7 / 2,5 90 kg 7,4 / 7,0 6,0 / 5,6 4,2 / 3,9 2,9 / 2,8 100 kg 8,0 / 7,6 6,5 / 6,1 4,5 / 4,3 3,2 / 3,0 Trekkingrad und E-Bike: Rad, Motor, Akku und Gepäck = 25 kg Fahrer 40 mm 47 mm 50 mm 57 mm 70 kg 4,0 / 3,8 3,1 / 2,9 2,8 / 2,7 2,3 / 2,2 80 kg 4,4 / 4,1 3,4 / 3,2 3,1 / 2,9 2,5 / 2,4 90 kg 4,7 / 4,5 3,7 / 3,5 3,3 / 3,1 2,7 / 2,5 100 kg 5,1 / 4,8 3,9 / 3,7 3,6 / 3,4 2,9 / 2,7 Tubeless zieht rund 0,4 bar ab, Gravel und MTB weiter nach unten: Gravel 40 mm tubeless, 70 / 85 / 100 kg: 2,7 / 3,2 / 3,6 bar hinten MTB 57 mm tubeless, 70 / 85 / 100 kg: 1,3 / 1,6 / 1,8 bar hinten Umrechnung: 1 bar = 14,5 psi. 5 bar = 72,5 psi, 2 bar = 29 psi.
Wie wird der Reifendruck berechnet?
Der Rechner verbindet zwei anerkannte Methoden. Die erste sind die Reifeneinsink-Tabellen von Frank Berto, veröffentlicht in Bicycle Quarterly und aufgebaut auf der 15-Prozent-Regel: zu jeder Reifenbreite gehört ein Druck, bei dem der Reifen unter Last 15 Prozent seiner Höhe einsinkt. Die zweite ist der neuere Regressionsansatz, den SILCA bekannt gemacht hat und der den Druck stufenlos mit Radlast und Reifenbreite skaliert, statt sich durch eine Tabelle zu bewegen. Die Form der Formel lautet:
Druck = Basiswert(Radlast, Reifenbreite)
x Systemkorrektur (Schlauch / Tubeless)
x Untergrundkorrektur (Straße / Gravel / MTB)
- Korrektur für Nässe
Radlast = Systemgewicht x 0,6 (hinten) bzw. x 0,4 (vorne)
Systemgewicht = Fahrer + Rad + Gepäck (beim E-Bike inkl. Motor und Akku)
Quellen: Frank Berto, 15-Prozent-Reifeneinsinken (Bicycle Quarterly);
Regressionsansatz nach SILCA; Hookless-Grenze nach ETRTO-NormDie Radlast ist dein Gewicht plus das des Rades, aufgeteilt 40 Prozent vorne und 60 Prozent hinten. Der Basiswert steigt mit der Last und fällt mit der Reifenbreite, weil ein breiter Reifen bei gleichem Druck weniger einsinkt. Die genauen Regressionskoeffizienten sind unsere eigene Kalibrierung und werden deshalb der Richtung nach beschrieben statt als Zahlen veröffentlicht. Die Richtungen selbst sind eindeutig: Tubeless erlaubt weniger Druck, Gravel und Gelände deutlich weniger, und bei Nässe verbessert ein kleiner Abzug den Grip. Für Hookless-Felgen wird das Ergebnis nach ETRTO-Norm bei 5 bar (72,5 psi) gekappt.
Rechenbeispiel: Fahrer 85 kg, Rennrad 9 kg, 28 mm Reifen mit Schlauch, trockener Asphalt. Das Systemgewicht beträgt 94 kg, davon rund 56 kg auf dem Hinterrad und 38 kg auf dem Vorderrad. Der Rechner gibt 7,1 bar hinten und 6,7 bar vorne aus. Derselbe Fahrer auf 32 mm liegt bei 5,7 bar hinten, also fast anderthalb bar weniger, nur wegen der Breite. Zweites Beispiel für den Alltag: Pendler mit 80 kg auf einem E-Trekkingrad, das mit Motor, Akku, Gepäckträger und Taschen 25 kg wiegt, auf 47 mm Reifen. Ergebnis rund 3,4 bar hinten und 3,2 bar vorne, bei einem Systemgewicht von 105 kg.
Grenzen der Methode: Sie kennt keine schwere Lenkertasche, die Gewicht nach vorne verlagert, keine sehr leichten Reifen mit dünner Karkasse und keine Fahrt auf Schnee. Nimm das Ergebnis als Startwert und feile auf einer Strecke nach, die du kennst: springt das Rad über Unebenheiten, nimm 0,2 bar heraus, walkt der Reifen in Kurven, gib 0,2 bar dazu.
Was lohnt sich vor der Ausfahrt noch?
Der Druck hängt mit allem anderen am Rad zusammen. Ein Reifen mit passendem Druck rollt messbar leichter, was die Zahlen im Wattrechner verschiebt, und er ändert den Abrollumfang leicht, was sich im Ritzelrechner auf die Geschwindigkeiten auswirkt. Wenn du noch beim Radkauf bist, fang bei der Rahmengröße an: ein Rahmen, der nicht passt, tut mehr weh als jedes halbe bar. Alle Rechner findest du in der Übersicht.
Häufige Fragen
- Wie viel bar Luftdruck braucht ein Fahrrad?
- Das hängt vor allem vom Systemgewicht und von der Reifenbreite ab, nicht vom Rad selbst. Richtwerte für einen Fahrer mit 80 kg auf einem 9 kg schweren Rad: etwa 6,7 bar hinten auf 28 mm Rennradreifen, 5,4 bar auf 32 mm und 3,8 bar auf 40 mm Gravelreifen. Auf 57 mm MTB-Reifen tubeless sind es bei 85 kg rund 1,6 bar. Hinten jeweils 0,2 bis 0,4 bar mehr als vorne, weil das Hinterrad mehr Last trägt.
- Wie viel bar beim Trekkingrad oder E-Bike?
- Rechne beim E-Bike mit 20 bis 30 kg für Rad, Motor, Akku und Gepäck. Ein Fahrer mit 80 kg kommt damit auf etwa 105 kg Systemgewicht: auf 47 mm Reifen sind das rund 3,4 bar hinten und 3,2 bar vorne, auf 40 mm etwa 4,4 bar hinten. Das liegt fast immer unter dem Maximum auf der Reifenflanke, und das ist Absicht: höherer Druck bringt auf dem Kopfsteinpflaster nichts außer Vibrationen.
- Wie rechnet man bar in psi um?
- 1 bar entspricht 14,5 psi. Deutsche Pumpen und Reifen sind in bar beschriftet, amerikanische in psi, und deshalb geraten die beiden Einheiten regelmäßig durcheinander. Dieser Rechner zeigt beide gleichzeitig an. Kurz zum Merken: 5 bar sind 72,5 psi, 6 bar rund 87 psi und 2 bar etwa 29 psi.
- Warum darf man bei Tubeless weniger Druck fahren?
- Ohne Schlauch gibt es nichts, das bei einem harten Kantenschlag zwischen Reifen und Felge eingeklemmt werden kann, also fällt der Snakebite als Grenze weg. Damit lassen sich gefahrlos etwa 0,3 bis 0,5 bar weniger fahren als mit Schlauch. Weniger Druck heißt mehr Grip und mehr Komfort, und auf rauem Asphalt oder Schotter meist auch weniger Rollwiderstand.
- Welche Druckgrenze gilt für Hookless-Felgen?
- Die ETRTO-Norm begrenzt Hookless-Felgen, also Felgen ohne Haken am Felgenhorn, auf 5 bar beziehungsweise 72,5 psi. Dieser Rechner kappt sein Ergebnis automatisch bei diesem Wert. Prüfe zusätzlich das Maximum, das Felgen- und Reifenhersteller angeben, denn manche Freigaben liegen noch darunter.
- Wie oft sollte man den Luftdruck prüfen?
- Vor jeder längeren Tour und ansonsten mindestens einmal pro Woche. Ein Butylschlauch verliert typischerweise 0,2 bis 0,3 bar pro Woche, Latexschläuche und Tubeless-Aufbauten schaffen das über Nacht. Eine Standpumpe mit Manometer rechnet sich schnell, denn der Daumentest erkennt erst einen Reifen, der längst zu weich ist.
- Ist weniger Luftdruck langsamer?
- Auf glattem Asphalt rollt ein härterer Reifen minimal leichter, aber echte Straßen sind nicht glatt. Ab einem bestimmten Punkt geht zusätzlicher Druck in Vibration und in ein springendes Rad statt in Vortrieb. Neuere Messungen, unter anderem von SILCA, legen diesen Punkt deutlich unter dem, was viele fahren. Der Wert aus diesem Rechner liegt meist nahe am Optimum.